Wenn man so durch die Wing Chun Interwelt schlurft, dann trifft man immer auf tiefschürfende Erneuerungen. Immer wieder wird man endlich mit Neuigkeiten und Insidergeheimnissen versorgt. Da ich Euch immer gegen den Strich bürsten muss und Euch gerne Dinge sage, die Ihr nicht hören wollt, werde ich mal Dinge sagen, die wir schon immer über das Wing Chun wussten. Also zunächst mal die Trainingsmethode.
Weil da gibt es immer die tollsten Innovationen. Also zum Beispiel so dieses Modifizieren. Deutschlands bekanntester Modifikator beschrieb schon zu Olims Zeiten die Trainingsmethoden der Alten. Ich will noch mal wiederholen, wie die aussah.
Nein, ich schaffe das in einem kleinen Satz: Siu Nim Tau und Fauststöße. Dann Dan Chi und Chi Sau, aber lediglich den Poon Sau Zyklus. Keine Schrittarbeit, keine Wendungen. Geht man davon aus, dass mindestens 10 Stunden die Woche trainiert wurde, dann dauerte dieses “Programm” so um die zwei, drei Monate. Dann kam die Schrittarbeit hinzu. Übungen zu den “Four Gates” (Schwingerabwehr und CoKg.) Der wichtige Angriff über die Tan-Sau-Linie. Also: Gut und kurz, wir wissen das!
Aber noch Güter und Du liebe Güte. Überall wird da was Besseres angeboten. Gleich an die Holzpuppe und dann ein wenig Doppelmesser. Hier springen wir mit dem Langstock herum und wie wäre es denn mit einem Stückchen der Biu Jee (3.Form)? Wisst ihr Buben eigentlich, wie mir das vorkommt: Wie Kinder, die im Bus auf der Heimfahrt der Schule so tun, als ob sie englisch sprechen! Wie kann man denn eine Sprache sprechen, wenn man sich beharrlich weigert die Vokabeln zu lernen?
Sicherlich erscheint es dem unkonzentrierten Menschen des 21. Jhrdts. nicht als das abwechslungsreiche Programm. Und “Um Himmelswillen! Wie kann ich mich da verteidigen?” Sicherlich – und auch ich bin da ein wenig nachgiebig – ist Spaß ein motivierender Moment. Und vor allem als Trainer muss man die Leute motivieren. Das ist sicherlich ein großes Problem.
Was mich aber wundert ist, dass Leute, die Wing Chun unterrichten nicht einmal mehr wissen, wie früher (und auch heute) Wing Chun unterrichtet werden sollte, damit es mehr ist als ein flottes Sammelsurium an Techniken, sondern ein einheitliches Ganzes also ein System ergibt. Man kann keinerlei Techniken oder Anwendungen zeigen ohne die genaue Bewegungslehre vermittelt zu haben. Es geht nichts so wirklich ohne die richtige Siu Nim Tau. Die Position und der spezifische Einsatz der Muskulatur werden am Anfang eben dort – und nur! dort – vermittelt.
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