Ein kluger Spruch sagt, man solle das Gratisangebot verschmähen. Da ist was dran. Wer jetzt aber gerade auf unserer Vereinsseite des Kampfwerkes gestöbert hat, wird sich wundern, warum wir dann wieder ein Gratisangebot bringen. Wer jetzt glaubt, dass es “umsonst” sei, der hat sich geirrt. Was wir hier im Kampfwerk nämlich wollen ist “Trainieren”. Und so wenige Menschen können das noch zahlen oder geben. Und so gibt es in einem Sportverein halt Dinge zum Erarbeiten und nicht zum Kaufen. Das machen die meisten Sportvereine halt so. Die meisten Angebote im BLSV sind so. Und deshalb können diese – wie wir auch im Kampfwerk – die Gemeinützigkeit beantragen. Ich selber als Trainer arbeite hier ehrenamtlich, mach die Homepages ehrenamtlich usw. Trotzdem ist meine Arbeit nicht wertlos. Der Wert meiner Arbeit ist Unabhängigkeit und Freiheit, um eben das zu tun, was ich will. Das Wertvollste was ich besitze ist eben nicht das Auto, sondern mein eigenes persönliches Leben. Und das hängt am dünnen Faden Zeit. Somit schaffen wir es – also auch die Schüler, die mit mir diese Sichtweise tragen – ein hochwertiges Trainingsprogramm auf die Beine zu stellen. Wir sind von jeglichem Kommerz und Rummel schlichtweg unabhängig. Und das gilt gerade für das Wing Chun. Naja …. macht was ihr wollt, aber Können erlernt man und kann es nicht kaufen.
Archive for the 'Ving Tsun' Category
Des öfteren wird angesichts einiger Splatter-Ellbogenschlag-Orgien in einigen Bereichen behauptet, dass es keine Ellbogenschläge im Ving Tsun gebe. Dies ist definitiv falsch. Ich beziehe mich hier auf das Ving Tsun Wong Shun Leungs. In der 2. Form des Ving Tsuns, also der Cham Kiu, wird relativ am Anfang ein Ellbogenschlag ausgeführt.
“er zeigt kein Ellenbogenschlag… nimmt sie nur zu Hilfe, um zu erklären, wie sich das Distanzverhalten bei falscher Drehung, negativ auswirkt.“
Wurde unlängst mal wieder von einem selbsternannten Urgroßmeister behauptet. Das ist so diffus, wie falsch. Gehen wir mal die Grundsätze des Ving Tsun durch:
Wir versuchen mit der Faust zu treffen. Also “im Boxen” zu bleiben. Das gelingt uns nicht immer. (Es gelingt auch nicht immer Weltklasse-Boxern.) Es gibt verschieden Gründe, warum es uns passieren kann, dass der Gegner es schafft uns zu unterlaufen. Wir sind einfach Menschen und machen Fehler. Um wieder in unser Spiel zu kommen, brauchen wir dann diesen Ellbogenstoß, der gemeinhin “Lan-Sau” genannt wird.
Streng müssen wir unterscheiden zwischen Bewegung und Funktion. Eine Bewegung im Ving Tsun kann viele Funktionen oder Anwendungen im Kampf haben. Das sollte uns jetzt nicht weiter belasten. Wichtig ist nur, dass es den Ellbogenstoß in der Cham Kiu gibt und das er dort trainiert wird.
http://de.youtube.com/watch?v=FO5nQ9sCe6c
Der sympathische Großmeister des Ving Tsun Wong Shun Leung erklärt hier in diesem kleinen Videoschnipsel, den Laan-Sau in der Cham Kiu. Er befasst sich – so ist die Form aufgebaut – mit der Bewegung. Vorher zeigt er kurz eine Anwendung. Er erklärt anhand des Fauststoßes, die Kraftlinie des Ving Tsun auf der auch der Ellbogenstoß dann verläuft. Er zeigt, dass es dazu einer exakten Wendung braucht. (Man hat im Kampf oft die Linie verloren und es bedarf einer exakten Wendung.) Wenn diese nämlich nicht so gemacht wird, dann wird der Stoß des Ellbogens saft- und kraftlos. Hinterher zeigt er noch ein paar Übungen dazu.
Dazu braucht man kein kantonesisch können, noch muss man über 90 Stunden Videos in seinem Schrank aufbewahren. Es bedarf eine klaren und gesunden Menschenverstandes. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ving Tsun ist ein effizientes Kampfsystem aus dem südlichen China. Wahrscheinlich wurde seine Entwicklung Mitte des 17. Jahrhunderts begonnen. Die Ursprünge liegen eher im Dunkeln. Man weiß nicht mal, wann seine logische, effiziente und stringente Form “die es gegenwärtig hat“ entwickelt wurde.
Continue reading ‘Ving Tsun – die Wissenschaft des Kämpfens’
Wong Shun Leung war der wohl kämpferisch erfolgreichste Mann des gesamten Ving Tsun. Kaum einer hatte so viel praktische Erfahrung wie er. In diesem Artikel, der in einer englischsprachigen Zeitschrift erschien, legt er einige Punkte dar, auf die man im Training achten sollte.
Continue reading ‘Wong Shun Leung: Was ich durch meine Kämpfe lernte’
Ein Mensch im KKB schrieb:
“Da wir uns aber bei einem solchen Zug selbst im Wege stehen, müssen wir beim Ziehen zusätzlich unseren Standpunkt verändern. Hier kommen wir in die Anwendungen der Holzpuppen-Schrittarbeit (vereinfacht: Gegner der nicht frontal besiegt werden kann, wird von der Seite angegriffen usw.)”
Geantwortet wurde:
“Es g i b t in der HP-Form keine spezielle Schrittarbeit, sondern nur die, die wir sowieso anwenden. Und im Wege stehen tu ich mir beim ziehen auch nie, da ich den Arm des Gegners immer am langen Hebel minimal aus dem Wege räumen kann – und minimal reicht mir schon für den Overkill…! “
Continue reading ‘Weil ich so etwas immer wieder lesen muss’
Wer mal bei mir an einem Seminar teilnahm, der wird sich erinnern, dass ich ab einem gewissen Punkt ein paar europäische Hieb- und/oder Stichwaffen nehme, um gewisse Dinge zu erklären. Meistens erläutere ich die Ähnlichkeit von sogenannten “Idealliniensystemen” und deren Gleichzeitigkeit. Ich bezeichne das als Idealliniensystem, weil anders als bei den meisten Budosportarten übliche “wenn der Gegner das macht, dann mache ich das”, hier die Abwehr über die Besetzung von Linien praktiziert wird, die aus dem Raumverhältnis entstehen. Am mitteleren Ellbogen muß der Gegner nun mal einfach vorbei, wie etwa die Angriffslinie, die beim Fechten durch die Waffe belegt sein sollte. Also keine konditionale Abwehrbedinung, sondern das Handeln über konkrete und raumbestimmende Positionen.
Diese Linien werden in den ersten Sätzen der Siu Nim Tau – der ersten Form des Wing Chun – erläutert. Sie erläutern uns die Grundprinzipien und die grundsätzliche Funktionsweise des Wing Chun. Das zweite, daß ich mit den Waffen zeige ist die großartige Gleichzeitigkeit. Gleichzeitigkeit heißt nicht nur, daß beide Hände etwas gleichzeitig tun, sondern, daß ich mit dem Verfahren – das wir im Wing Chun “Keilprinzip” nennen – Angriff und Abwehr auf einem Arm haben. Der untere Teil des Ellbogens wehrt ab und führt unsere Faust zum Ziel. So fechten wir auch mit dem Degen. Der untere Teil der Waffe – die Stärke – leitet den gegnerischen Angriff ab, während die Spitze zu sticht. Prinzipien sind weder stilistische oder gar nationale Errungenschaften, sondern helfen uns die Dinge zu verstehen und zu systematisieren. Sie sind die Steuerung in einem Chaos, das wir Kampf nennen.
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