Wenn ich das obrige Wort schreibe, dann denken wir an die Schule und – mit mehr oder wenig – gemischten Gefühlen. Wenn ich meinen Schülern solche Zeugnisse geben müßte, die dann nur von eins bis sechs reichen, dann wäre das gruselig für mich. Ich erinnerte mich heute an meine Schulzeit. Sorgenfaltig weil Vater stand ich dann auf. Da muss meine Kleine jetzt also durch.
So, dass hier ist aber nicht der “sorgenfaltigen Eltern-Erziehungs-Blog”, sondern es geht hier um Kampfsport. Und auch da geben wir Zeugnisse ab. Das wichtige ist das man von dem, was man sagt ein “Zeuge” ist. Man war dabei und man fühlt sich der Wahrheit verpflichtet. Wenn wir Zeugnisse über uns und andere ablegen – und das tun wir täglich – sollten wir sorgfältig sein. Das “er hat gesagt, das der gesagt hätte” sollten wir uns und auch Mitmenschen ersparen. Es ist “Hörensagen” und kein Zeugnis.
Montag traf ich einen alten Bekannten. Ich kenne J. von früher … vom Großen Bösen Verband. Mit seinem 1. TG machte er den örtlichen Fu-Manchu zum Sifu. Lang, lang isses her. Natürlich sprachen wir über das was im Kampfsport abläuft. Nun, was mich verwundert -> und das ist eher ein gesellschaftliches Problem <- wie so einige Sachen gegenwärtig ins Wanken geraten. Eben diese Geschichten. Eben die mit dem “falschen Zeugnis”. Erinnern wir uns nochmal dunkel an unseren Reli-Unterricht. “Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, wieder Dich und Deines Nächsten” schwadroniert so fröhlich eines der lockeren Gebote, die olle Mosche vom Berge Sinai gegen die Menschen trug. Es wird auch gerne vergessen, dass “falsches Zeugnis” ablegen auch einen Strafbestand erfüllt.
Montag sagt mir J. das es verschiedene Meinungen gibt und man die eine Sache, so oder auch anders sehen kann. Das ist der neue in Deutschland herrschende Relativismus. Ich würde es mal so wie ein Theologe sagen. Ich habe das Gefühl, dass wir ein Staat haben, in dem nicht mehr der Augustus herrscht, sondern lauter Pontius Pilatus. Man wäscht sich die Hände im Relativismus. Der neuen Unschuld einer Gesellschaft der “spätkapitalistischen Krise”. Ich hoffe, das Unsere Epoche nicht als Moderne oder gar Postmoderne eingeht, sondern dass spätere Historiker richtiges Zeugnis ablegen und unser Zeitalter die Epoche der “neoliberalen Relativität” nennen.
Im Kampfsport ist dieser Relativismus zu einer Mode ausgeartet. Hier werden die tollsten Zeugnisse ausgestellt. Gekaufte zum Beispiel. Wenn ich mir beispielsweise einen Vorteil verschaffe, in dem ich – wissentlich – falsche Dinge über mich behaupte und/oder behaupten lasse, dann ist das eben keine Ansichtssache, sondern schlichtweg Betrug. Nur wirklich selten sind Hochstaplereien wirklich charmant, meistens sind sie plump, dumm und vulgär.
Gestern erzählte mir jemand z.B., dass X. der direkte Nachfahre meines lieben Onkels Bruce sei. (Für Außenstehende: Ich rede hier von dem Filmschauspieler Bruce Lee.) Das ist so typisch im Kampfsport. Dumme Sätze werden gesagt und dann gebetsmühlenartig wiederholt. Mal zum JKD: Da gibt es keinen “direkten” Nachfahren. Besonders nicht in der Dan Inosanto Linie. Da ist einfach zuviel beigemischt. Das ist genauso als wenn ich sagt, dass “Fanta” von der Orange kommt. In Coca Cola ist auch kein “Coke” drin. Das hat mit der Qualität nichts zu tun. Das ist einfach Fakt.
Onkel Leo (Leung Ting) ist – was jeder der nach HongKong fährt nachprüfen kann. Ein Schüler eines Schülers Leung Sheuns. Nix da mit Yip Man. Wer sagt, dass die Leute mit hunderten gewonnen Kämpfen nicht das richtige gelernt hätten, dem kann man wirklich nicht helfen. Wer das glaubt ist nicht betrogen, der ist dumm und sollte nicht kämpfen lernen. Da tut Herr K. und Onkel Leo der Menschheit was Gutes. Die Jungs sollten den Friedensnobel-Preis bekommen.
Noch perfider ist das Gequatsche über die Konkurrenz. Leider sehr, sehr salonfähig geworden. Man erzählt hier Geschichten, die neimals stattgefunden haben. Mit Dreck werfen und irgendwas bleibt hängen. Und der ganze Quatsch ist armselig!
Das ist dann keine Meinung mehr, sondern Verleumdung und Betrug. Sonst nix. Nicht klug. Einfach dumm…
Gilbert Becaud sang in den 70er Jahren sehr
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